Kaisermantel (Argynnis paphia)
Der Kaisermantel ist einer der größten und auffälligsten Tagfalter Mitteleuropas. Er gehört zur Familie der Edelfalter (Nymphalidae) und ist in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und bis nach Ostasien verbreitet. In Deutschland ist er weit verbreitet, vor allem in lichten Laub- und Mischwäldern, an Waldrändern, Lichtungen und entlang von Waldwegen, wo er im Sommer häufig beim Saugen an Distel- oder Brombeerblüten beobachtet werden kann.
Mit einer Flügelspannweite von 55–65 mm gehört der Kaisermantel zu den größten einheimischen Faltern. Die Oberseite der Flügel ist bei beiden Geschlechtern orange bis rotbraun gefärbt und trägt ein markantes Muster schwarzer Flecken und Streifen. Charakteristisch für die Männchen sind vier dunkle Duftschuppenstreifen auf den Vorderflügeln, sogenannte Androkonien, die Pheromone zur Anlockung der Weibchen abgeben. Die Unterseite zeigt einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern: Die Vorderflügel sind ähnlich gefärbt wie die Oberseite, während die Hinterflügel olivgrün mit silbrig schimmernden Binden sind – ein Merkmal, das ihm den deutschen Namen „Kaisermantel“ eingebracht hat.
Die Weibchen legen ihre Eier im Spätsommer an Baumrinden – bevorzugt an Stämmen von Eichen, Buchen oder Fichten – in der Nähe von Veilchenarten (Viola spp.), den Futterpflanzen der Raupen. Die schlüpfenden Raupen überwintern ungeschützt in der Nähe des Ablageortes und beginnen erst im Frühjahr mit der Nahrungsaufnahme. Die Raupen sind dunkelbraun, mit Dornen und feinen gelben Linien versehen. Nach mehreren Häutungen verpuppen sie sich in Bodennähe, bevor der Falter im Hochsommer (Juli bis September) schlüpft.
Der Kaisermantel gilt als typischer Vertreter halboffener Waldlandschaften. Obwohl er noch häufig ist, kann er lokal durch die Verbuschung von Waldsäumen oder den Verlust von Veilchenbeständen zurückgehen. Er ist ein Indikator für strukturreiche Wälder mit ausreichender Krautschicht und spielt als Bestäuber eine wichtige ökologische Rolle.