Wespenspinne (Argiope bruennichi)
Die Wespenspinne, auch Zebra- oder Tigerspinne genannt, ist eine auffällig gefärbte Radnetzspinne aus der Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae). Ursprünglich in den wärmeren Regionen Südeuropas beheimatet, hat sie sich in den letzten Jahrzehnten infolge milderer Klimabedingungen weit nach Norden ausgebreitet und ist heute in fast ganz Europa, Nordafrika und Teilen Asiens verbreitet. In Mitteleuropa ist sie inzwischen auf vielen Wiesen, Trockenrasen, Böschungen und Feldrändern heimisch.
Erwachsene Weibchen erreichen eine Körperlänge von 14–17 mm, während die Männchen mit 4–6 mm deutlich kleiner und unscheinbarer sind. Das Weibchen ist unverwechselbar: Ihr Hinterleib zeigt ein auffälliges Muster aus gelben, schwarzen und weißen Querstreifen, das an eine Wespe erinnert und der Art ihren Namen verleiht. Diese Warntracht dient vermutlich der Abschreckung von Fressfeinden. Der Vorderkörper ist silbrig behaart, und die acht kräftigen Beine sind gelblich mit schwarzen Ringelungen.
Die Wespenspinne baut ein großes, vertikal gespanntes Radnetz, meist in bodennaher Vegetation, oft in der Nähe von Gräsern oder Kräutern. Charakteristisch ist der sogenannte Stabilisierungsstreifen (Stabilimentum) in der Netzmitte – eine zickzackförmige, weißliche Seidenstruktur, deren Funktion noch nicht vollständig geklärt ist. Vermutlich dient sie der Tarnung der Spinne oder der Stabilisierung des Netzes. Die Spinne lauert kopfüber in der Netzmitte auf Beute, hauptsächlich Heuschrecken, Schmetterlinge und Fliegen.
Nach der Paarung, die für das Männchen meist tödlich endet, legt das Weibchen im Spätsommer ein bis mehrere große, papierartige Eikokons ab, die es gut getarnt in der Vegetation befestigt. Die Jungspinnen schlüpfen im Spätherbst, überwintern im Kokon und verlassen ihn im Frühjahr. Die adulten Tiere leben nur eine Saison.
Die Wespenspinne gilt als Beispiel für erfolgreiche Arealerweiterung und Anpassungsfähigkeit an veränderte Umweltbedingungen. Sie bevorzugt strukturreiche, warme Offenlandschaften mit hoher Insektenvielfalt. Durch intensive Mahd und Habitatverlust können lokale Bestände jedoch beeinträchtigt werden.