Schwarzmilan (Milvus migrans)
Der Schwarzmilan (Milvus migrans) ist ein mittelgroßer Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen. Er erreicht eine Körperlänge von 50–60 cm, eine Flügelspannweite von 135–155 cm und ein Gewicht zwischen 600 und 1.000 g. Sein Gefieder ist überwiegend dunkelbraun mit einer helleren, leicht gestrichelten Brust und einem unauffälligeren Muster als beim Rotmilan. Charakteristisch ist der nur leicht eingekerbte Schwanz, der im Flug oft leicht gespreizt wirkt und weniger tief gegabelt ist als beim nah verwandten Rotmilan. Der Schnabel ist kräftig, schwarz mit einer gelben Wachshaut, und die Beine sind ebenfalls gelb.
Schwarzmilane sind geschickte Segelflieger, die häufig über Gewässern, Feuchtgebieten oder landwirtschaftlichen Flächen kreisen. Ihre Nahrung ist vielseitig und umfasst Aas, Fischreste, kleine Säugetiere, Vögel, Amphibien und Insekten. Sie sind opportunistische Jäger, die oft Abfälle und Nahrungsreste nutzen oder Beute anderen Vögeln abjagen. Besonders in der Nähe von Fischteichen oder Deponien sind sie häufig zu beobachten.
Die Art bewohnt eine Vielzahl von Lebensräumen, darunter Flusslandschaften, Seen, Feuchtgebiete, lichte Wälder sowie Agrarlandschaften mit angrenzenden Gewässern. Die Brutzeit beginnt im Frühjahr, wobei der Schwarzmilan sein Nest meist in hohen Bäumen nahe von Gewässern errichtet. Das Nest wird aus Zweigen gebaut und oft mit Plastik, Stoff oder anderen Materialien ausgekleidet. Das Weibchen legt 2–3 Eier, die rund 30 Tage lang bebrütet werden. Die Jungvögel verlassen nach etwa 6–7 Wochen das Nest, bleiben aber noch eine Zeit lang in der Nähe der Eltern.
Schwarzmilane sind Zugvögel, die ihre Brutgebiete in Europa und Asien im Herbst verlassen, um in Afrika oder Südasien zu überwintern. Während des Zuges bilden sie oft große Schwärme, besonders über Engstellen wie Gibraltar oder dem Nahen Osten. Obwohl sie noch relativ häufig sind, sind sie durch Lebensraumverlust, Gewässerverschmutzung und Vergiftungen durch Schadstoffe gefährdet. Schutzmaßnahmen wie der Erhalt naturnaher Gewässerlandschaften und die Reduzierung von Umweltgiften sind entscheidend für ihren langfristigen Bestand.