Großtrappe (Otis tarda)
Die Großtrappe ist der schwerste flugfähige Vogel Europas und eine der imposantesten Vogelarten der offenen Kulturlandschaft. Mit einer Körperlänge von etwa 90 bis 105 cm und einer Flügelspannweite von 210 bis 260 cm wirkt sie massig und kraftvoll, insbesondere die Männchen, die ein Gewicht von bis zu 16 Kilogramm erreichen können. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter. Das Gefieder ist überwiegend sand- bis rotbraun gebändert, was eine hervorragende Tarnung in offenen Steppen- und Agrarlandschaften bietet. Die Unterseite ist weiß, der Kopf und Hals sind grau. Besonders auffällig sind bei den Männchen im Prachtkleid die langen, weißen Bartfedern an den Schnabelseiten, die während der Balz eine zentrale Rolle spielen.
Die Großtrappe bewohnt weite, offene und weitgehend baumfreie Landschaften wie Steppen, extensiv genutzte Ackerflächen, Brachen und große Grünlandgebiete. Sie meidet Strukturen mit hoher Deckung oder häufigen Störungen. Die Art ist überwiegend bodenlebend, läuft gemessen und ruhig und fliegt nur bei Störung oder auf längeren Strecken. Außerhalb der Brutzeit lebt sie gesellig in Trupps, während zur Balzzeit im Frühjahr die Männchen traditionelle Balzplätze aufsuchen. Dort führen sie spektakuläre Schaubalzrituale auf, bei denen das Gefieder umgestülpt wird, sodass der Vogel fast vollständig weiß erscheint.
Die Nahrung ist vielseitig und wechselt saisonal. Im Frühjahr und Sommer frisst die Großtrappe vor allem Insekten, Spinnen und andere Wirbellose, die für die Aufzucht der Küken essenziell sind. Im Herbst und Winter dominieren pflanzliche Bestandteile wie Gräser, Kräuter, Blätter, Knospen sowie Kulturpflanzen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt fast ausschließlich am Boden.
Die Brut erfolgt bodennah in flachen Mulden, gut getarnt in hoher Vegetation. Das Gelege umfasst meist 1 bis 2 Eier, die allein vom Weibchen etwa vier Wochen bebrütet werden. Auch die Jungenaufzucht liegt ausschließlich beim Weibchen. Küken sind Nestflüchter, aber in den ersten Lebenswochen besonders störungsanfällig.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Großtrappe reichte von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Zentralasien. Heute ist die Art in vielen Regionen stark zurückgegangen oder ausgestorben. In Deutschland existieren nur noch kleine, streng geschützte Populationen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Hauptgefährdungsursachen sind Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft, Kollisionen mit Stromleitungen und Störungen während der Brutzeit. Umfangreiche Schutzprogramme, darunter Habitatmanagement und Leitungsmarkierungen, haben lokal zu stabilen Beständen geführt.