Grünschenkel (Tringa nebularia)
Der Grünschenkel ist ein mittelgroßer Watvogel aus der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae) und einer der auffälligeren Vertreter der Gattung Tringa. Mit einer Körperlänge von 30 bis 35 cm, einer Flügelspannweite von 65 bis 70 cm und einem Gewicht von 120 bis 200 g wirkt er elegant und hochbeinig. Charakteristisch sind die langen, grünlich-grauen Beine, der leicht aufwärts gebogene, grauschwarze Schnabel und das helle, kontrastreiche Gefieder. Die Oberseite zeigt eine graubraune bis olivgraue Tönung mit feiner dunkler Zeichnung, die Unterseite ist weiß, und der Bürzel leuchtet auffallend weiß, was den Grünschenkel im Flug unverwechselbar macht. Seine Rufe sind laut, klar und weit tragend – meist ein flötendes „tü-tü-tü“, das er oft auch im Flug äußert.
Tringa nebularia brütet in der borealen Zone Eurasiens, vor allem in Skandinavien, Nordrussland und Sibirien. Er bevorzugt sumpfige Tundren, feuchte Moore und lichte Kiefernwälder mit kleinen Gewässern. In Mitteleuropa tritt der Grünschenkel nur als Durchzügler auf, insbesondere während des Frühjahrszugs im April und Mai sowie des Herbstzugs von Juli bis Oktober. Seine Rastplätze sind flache Seen, Überschwemmungsflächen, Küstenlagunen und Watten.
Der Grünschenkel sucht seine Nahrung in seichten Gewässern, wo er mit schnellen Schritten durch das Wasser läuft und mit dem leicht gebogenen Schnabel nach Insekten, Würmern, kleinen Fischen und Krebstieren stochert. Er ist ein geschickter Jäger und kann auch schwimmen oder kurz tauchen, wenn die Beute dies erfordert.
Das Nest liegt am Boden, meist gut versteckt in dichter Vegetation, ausgekleidet mit Gräsern und Moos. Das Gelege umfasst vier Eier, die beide Eltern bebrüten. Nach dem Schlüpfen führen die Altvögel die Jungen, die bald selbständig nach Nahrung suchen.
Der Grünschenkel ist eine weit verbreitete, nicht bedrohte Art, wird aber in seinen Rastgebieten durch Lebensraumverlust und Störungen beeinträchtigt. Der Schutz flacher Feuchtgebiete und Überschwemmungsflächen ist daher auch für ihn von zentraler Bedeutung.