Braune Sichler (Plegadis falcinellus)
Der Braune Sichler ist ein mittelgroßer Schreitvogel aus der Familie der Ibisse (Threskiornithidae). Er erreicht eine Körperlänge von 48–66 cm, eine Flügelspannweite von 80–105 cm und ein Gewicht zwischen 500 und 800 g. Sein Gefieder ist schimmernd kastanienbraun mit metallisch grünlich bis bronzen glänzenden Flügeldecken. Auffällig ist der lange, schmale und nach unten gebogene Schnabel, der ihm ein markantes Erscheinungsbild verleiht. Die Beine sind lang und dunkel, der Kopf oft leicht kahl mit feinen, dunklen Federn überzogen.
Braune Sichler bevorzugen Feuchtgebiete wie Sümpfe, Überschwemmungsgebiete, Flussmündungen und Lagunen mit seichtem Wasser und reicher Vegetation. Sie sind gesellige Vögel, die oft in Kolonien mit anderen Wasservögeln brüten. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Wassertieren wie Insektenlarven, Krebstieren, Schnecken und kleinen Fischen, die sie mit ihrem sensiblen Schnabel im Schlamm oder Flachwasser ertasten.
Die Brutzeit beginnt je nach Region zwischen April und Juni. Die Nester werden in dichter Ufervegetation oder in niedrigen Bäumen errichtet. Das Weibchen legt 3–5 Eier, die beide Eltern etwa drei Wochen lang bebrüten. Die Jungvögel bleiben nach dem Schlüpfen noch mehrere Wochen im Nest und werden von beiden Eltern mit hochgewürgter Nahrung versorgt.
Der Braune Sichler ist weltweit verbreitet und kommt in Europa, Afrika, Asien, Nord- und Südamerika vor. In Europa brütet er hauptsächlich in Südeuropa und ist in Mitteleuropa seltener, wird dort aber zunehmend häufiger als Zug- oder Irrgast beobachtet. Die Art ist ein Teilzieher, wobei europäische Populationen in Afrika oder Südwestasien überwintern.
Obwohl die Art insgesamt nicht bedroht ist, sind viele Populationen durch die Zerstörung von Feuchtgebieten, Trockenlegung von Sümpfen und Umweltverschmutzung gefährdet. Schutzmaßnahmen wie die Erhaltung und Renaturierung von Feuchtgebieten sind entscheidend für ihren langfristigen Bestand.