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Nachtreiher (Nycticorax nycticorax)

Der Nachtreiher ist ein mittelgroßer Reiher aus der Familie der Ardeidae, der durch seine gedrungene Gestalt und sein nachtaktives Verhalten auffällt. Mit einer Körperlänge von etwa 58 bis 65 cm und einer Flügelspannweite von rund 100 bis 120 cm wirkt er kompakter als andere Reiherarten. Erwachsene Vögel besitzen eine markante Gefiederfärbung: Der Rücken und Scheitel sind glänzend schwarz, der Nacken trägt im Brutkleid zwei lange weiße Schmuckfedern, während die Unterseite hellgrau bis weiß ist. Die Flügel und der Rücken zeigen ein blaugraues bis grauschwarzes Kolorit. Charakteristisch sind der kurze, kräftige schwarze Schnabel, die roten Augen und die gelblich-grünen Beine. Jungvögel sind dagegen stark braun gefleckt und wirken auf den ersten Blick eher wie kleine Rohrdommeln.

Der Nachtreiher ist dämmerungs- und nachtaktiv, ruht tagsüber in Bäumen oder dichtem Röhricht und wird erst in der Abenddämmerung aktiv. Seine Nahrung besteht vorwiegend aus Fischen, Amphibien, Insekten, kleinen Säugetieren und Krebstieren, die er in flachen Gewässern oder an Uferzonen jagt. Er verharrt oft reglos und stößt blitzartig mit dem Schnabel nach Beute – eine typische Jagdmethode der Reiher.

Brutgebiete liegen meist in Kolonien, häufig gemeinsam mit anderen Reiherarten. Das Nest wird in Bäumen, Sträuchern oder Schilfbeständen gebaut, bestehend aus Zweigen und Halmen. Das Weibchen legt 3 bis 5 hellgrünliche Eier, die von beiden Eltern abwechselnd etwa drei Wochen bebrütet werden. Die Jungvögel bleiben rund sechs Wochen im Nest und werden anschließend weiter gefüttert.

Das Verbreitungsgebiet des Nachtreihers erstreckt sich über weite Teile Europas, Asiens, Afrikas und Amerikas. In Mitteleuropa ist er ein spärlicher, lokal brütender Zugvogel, der bevorzugt an Altwässern, Teichen und Auwäldern vorkommt. In Deutschland brütet die Art selten und unregelmäßig, mit Schwerpunkten am Oberrhein und im Donauraum. Viele Vögel überwintern in Afrika südlich der Sahara oder am Mittelmeer.

Der Nachtreiher gilt als Indikatorart für intakte Feuchtgebiete. Sein Bestand wird durch Lebensraumverlust, Gewässerverbauung und Entwässerung beeinträchtigt, doch lokale Schutzmaßnahmen – etwa an fischreichen Feuchtgebieten und alten Flussarmen – haben in den letzten Jahren zu leichten Erholungen geführt.