Raubwürger (Lanius excubitor)
Der Raubwürger ist ein mittelgroßer Singvogel mit einer Körperlänge von 22–26 cm, einer Flügelspannweite von 30–36 cm und einem Gewicht zwischen 50 und 80 g. Sein Gefieder ist kontrastreich gefärbt: Die Oberseite ist blaugrau, die Unterseite weißlich, während ein schwarzer Augenstreif sowie schwarze Flügel und Schwanzfedern mit weißen Abzeichen deutlich hervorstechen. Der kräftige, leicht hakenförmige Schnabel ist typisch für seine räuberische Lebensweise.
Trotz seiner Zugehörigkeit zu den Singvögeln verhält sich der Raubwürger ähnlich wie Greifvögel. Er jagt vor allem Insekten, kleine Säugetiere, Amphibien und Vögel, die er meist von erhöhten Ansitzen wie Zaunpfählen oder Bäumen erspäht. Eine besondere Eigenschaft ist sein Vorratsverhalten: Er spießt Beutetiere an Dornen oder Stacheldraht auf, um sie später zu fressen.
Der Raubwürger bevorzugt offene Landschaften mit einzelnen Bäumen, lichte Wälder, Heidegebiete und Moorlandschaften. In Europa ist er vor allem in gemäßigten und borealen Regionen verbreitet. Die Brutzeit beginnt im April, und das Nest wird gut versteckt in dichten Sträuchern oder Bäumen gebaut. Das Weibchen legt 4–7 Eier und brütet etwa zwei Wochen lang, während das Männchen Nahrung heranschafft. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungvögel noch drei bis vier Wochen im Familienverband.
In vielen Regionen sind die Bestände des Raubwürgers rückläufig, vor allem durch den Verlust strukturreicher Landschaften und die Abnahme seiner Beutetiere. In einigen Gebieten gilt er als gefährdet. Schutzmaßnahmen wie die Erhaltung von Hecken, Einzelbäumen und naturnahen Lebensräumen sind entscheidend für seinen Erhalt.