Kleine Kätzcheneule (Orthosia cruda)
Die Kleine Kätzcheneule ist ein früh fliegender Nachtfalter aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae) und gehört zur Unterfamilie der Eulen (Noctuinae). Sie ist in fast ganz Europa verbreitet, von den Britischen Inseln bis nach Russland und Kleinasien, und bewohnt vor allem Laub- und Mischwälder, Parkanlagen, Feldgehölze sowie Gärten mit alten Bäumen. Charakteristisch ist ihr Erscheinen sehr früh im Jahr, oft schon ab Ende Februar, wenn noch Schnee liegt – sie zählt damit zu den ersten Faltern des Frühjahrs.
Mit einer Flügelspannweite von 30–38 mm gehört die Kleine Kätzcheneule zu den mittelgroßen Eulenfaltern. Ihre Vorderflügel sind variabel gefärbt – von graubraun über rötlich bis ockerfarben – und tragen ein feines, oft moosartiges Muster. Auffällig sind die dunkle Nierenmakel und die ringförmige, helle Mittelmakel, die typisch für die Art sind. Der Flügelrand ist meist gesäumt und leicht gezähnt. Die Hinterflügel sind heller graubraun, bei Männchen oft etwas durchscheinender. Durch ihre Färbung ist die Art perfekt an die Rinde von Bäumen angepasst, auf der sie tagsüber ruht und nahezu unsichtbar wird.
Die Falter fliegen in einer Generation von Ende Februar bis April, meist in den Abendstunden, sobald die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen. Sie werden stark vom Licht angezogen und besuchen gern Weidenkätzchen (Salix), von denen sie Nektar saugen – daher auch der deutsche Name „Kätzcheneule“. Die Eiablage erfolgt an die Knospen und jungen Triebe von Laubbäumen, insbesondere Eiche, Buche, Ulme, Weide und Birke.
Die Raupen erscheinen ab Mai und sind grünlich mit hellen Längsstreifen, wodurch sie sich hervorragend in der Belaubung tarnen. Sie fressen bis in den Sommer hinein an Blättern und verpuppen sich anschließend in einer lockeren Erdhöhle, in der sie als Puppe überwintern.
Ökologisch ist die Kleine Kätzcheneule ein wichtiger Bestandteil des Frühjahrs-Insektenlebens und spielt eine Rolle in der Nahrungskette zahlreicher Vogelarten. Sie gilt als häufig und anpassungsfähig, wird jedoch durch den Rückgang strukturreicher Wälder und die Entfernung von Altbäumen lokal seltener.