Wespen (Vespidae)
Wespen sind eine artenreiche Familie staatenbildender und solitär lebender Hautflügler (Hymenoptera), die in fast allen Lebensräumen der Erde vorkommen. In Mitteleuropa sind etwa 700 Arten bekannt, darunter die bekannten sozialen Wespen wie die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris), aber auch viele friedliche Solitärarten. Die meisten Wespenarten spielen eine wichtige Rolle als Bestäuber und natürliche Schädlingsbekämpfer.
Soziale Wespen erreichen Körperlängen zwischen 10 und 20 Millimetern, Königinnen können bis zu 25 Millimeter groß werden. Sie besitzen eine schwarz-gelbe Warnfärbung, einen schlanken Körper mit deutlich eingeschnürter Taille und durchsichtige, gefaltete Flügel. Solitärwespen zeigen dagegen oft andere Farbvarianten, von rotbraun bis schwarz, und leben allein. Ein typisches Merkmal aller Wespen ist der glatte, spitze Stachel, der im Gegensatz zum der Biene mehrfach eingesetzt werden kann.
Die Lebensweise variiert stark: Staatenbildende Wespen bauen papierartige Nester aus zerkautem Holz, die sie in Erdhöhlen, Dachstühlen oder Baumhöhlen anlegen. Ein Wespenstaat besteht aus einer Königin, Arbeiterinnen und später Männchen. Im Frühjahr gründet die Königin allein das Nest, ab Sommer übernehmen Arbeiterinnen die Versorgung der Brut. Im Spätherbst stirbt der Staat, nur die Jungköniginnen überwintern. Solitärwespen hingegen legen einzelne Brutzellen in Totholz, Sand oder Pflanzenstängeln an, die sie mit Insektenlarven oder Spinnen als Futtervorrat bestücken.
Ökologisch sind Wespen von großem Nutzen: Sie jagen Fliegen, Raupen und andere Insekten, wodurch sie natürliche Gegenspieler vieler Schädlinge sind. Zudem bestäuben sie zahlreiche Pflanzen. Nur wenige Arten werden als „lästig“ empfunden, wenn sie im Spätsommer an zuckerhaltige Nahrung gehen – meist sind dies die beiden häufigen Kurzkopfwespenarten (Vespula vulgaris und V. germanica).
Wespen stehen in vielen Regionen unter Schutz, da sie ein wichtiger Teil des Ökosystems sind. Ihr Rückgang durch Pestizide und Habitatverlust kann zu Ungleichgewichten in der Insektenfauna führen.